Frauen!

So durchschaubar!

Immer alles im Vorhinein geplant, immer alles unter Kontrolle. Vielleicht ein bisschen Spaßbefreit, aber dafür zuverlässig und umsichtig. Immer in der pflegenden und sorgenden Rolle. Und wenn sie mal Lust auf „was Wildes“ haben, dann wissen sie das schon in der Früh und wählen sorgfältig ihre Unterwäsche danach aus.

Willkommen im Gruselkabinett der Klischees.

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch anderen Frauen ist, aber wenn es stimmt, dass Frauen SO sind, bin ich mindestens zu 85% keine Frau.

Obwohl, das hab ich schon mal gehört …

Persönliche Anekdote anno 2018/2019

Veranstaltung: Frauenberufsmesse

Thema: „Frauen in die Technik!“

Karrieregespräche mit ausgebildeten Karriereberatern werden angeboten.

Eine Chance die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Nach mehrminütigem Studium meines Lebenslaufes hebt dieser ausgebildete Karriereberater seinen Kopf, sieht mich ein paar Sekunden lang genau an und sagt in enttäuschtem Tonfall:

“Sie sind ja gar keine richtige Frau.“

Ich hab dann meinen Lebenslauf genommen und bin wieder gegangen.

Ob es anders gelaufen wäre, wenn mein BH zum Höschen gepasst hätte?
Ich weiß es nicht, und ich werde auch nie erfahren.

Weltfrauentag

Weltfrauentag
Heute kämpfen wir.
Wir protestieren, diskutieren, prangern an.
Wir wollen gleichberechtigt werden!
Wir rufen zum Streik der Alleinerziehenden auf.
Wir wollen Frauenquoten für Vorstandsposten und gleichen Lohn!

Und wir wollen ernst genommen werden!

Heute.

Und Morgen?

Posten wir Duck-Face-Selfies und rücken unser Dekolleté zurecht.
Zeigen mit dem Finger auf andere Frauen, weil sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen.
Erkämpfen uns mit einem Augenaufschlag und einem süßen Lächeln eine Bevorzugung.
Stellen bei Vorstellungsgesprächen keine Ansprüche, sondern sind froh über jedes Angebot.
Kümmern uns nach der Arbeit um die Kinder, stellen uns an den Herd und putzen, weil es schneller geht, wenn wir es selber machen und weil wir es besser können.
Stecken freiwillig zurück weil der Mann die Möglichkeit zu einer tollen Kariere hat.
Treffen uns im Café, gehen zum Friseur, interessieren uns für Kindererziehung, Gesundheit, Fitness, Familie und Dekosachen.
Technische Dinge überlassen wir den Männern, die sind da geschickter.
Computerprobleme? Reifenwechsel? Davon verstehen wir nichts.

Gleichberechtigung ist wichtig
Alle sind gleich und alle sind einzigartig
Männer, Frauen, Schwarze, Weiße, Homos, Heteros
und alle anderen auch

Gleichberechtigung,
politisch festgeschrieben – eine wichtige Sache
das Bewusstsein dafür hervorrufen – sehr wichtig
drüber reden – wirklich wichtig

Danach leben?
Eigentlich essentiell, oder?

Wofür ist ein Weltfrauentag gut, wenn wir Dinge fordern, die wir nicht bekommen werden und vielleicht auch gar nicht wollen, weil sie nicht in unser Leben passen.
Weil die Konsequenz  eine andere Art zu leben wäre, fernab unserer Komfortzone.
Technische Berufe sind besser bezahlt als Dienstleistungsberufe, Bürojobs, Arbeit im Gesundheitswesen.
Warum interessieren wir uns nicht dafür?
Warum machen wir keine besseren Ausbildungen?
Weil wir es nicht können? Nein, sicher nicht.
Weil es die Möglichkeit nicht gibt? Falsch.
Weil es unbequem ist?
Weil es nicht zu unserer Vorstellung von Weiblichkeit passt?
Weil wir Prinzessinnen sind und für die schweren Sachen der Prinz zuständig ist.

Scheiß auf den Weltfrauentag!
Lebt was ihr wollt und wie Ihr es wollt
Die meisten Vorschriften, Benachteiligungen und Reglementierungen kommen nicht durch die Ungerechtigkeit der Welt den Frauen gegenüber, sondern sind fest verankert im eigenen Kopf
Es fehlt das Bewusstsein, das Gleiche tun, leisten, lernen, erreichen zu können wie jeder Mann
Gleich viel und gleich wenig wert zu sein
In Partnerschaften nicht nur gleich-berechtigt, sondern auch gleich-verpflichtet zu sein
Und vor allem Selbstverantwortlich zu sein, für das eigene Leben

Den eigenen Weg zu gehen
Sicher nicht immer leicht
Die eigenen Interessen, Talente finden auch wenn sie nicht dem althergebrachten Frauenbild entsprechen
Sich nicht dem Mainstream unterordnen
Zu verstehen das es „die Gesellschaft“ gar nicht gibt
Das es keine Vorschriften gibt wie eine Frau zu sein hat
Es sind nur Meinungen und Vorurteile von einzelnen
Von uns selbst
Die uns daran hindern zu sein wer wir sein wollen
Wer wir sein können
Wer wir sind

Deine Weiblichkeit neu definieren?

Da finde ich dich bei Männer-Strip Shows, hysterisch kreischend, das Makeup verlaufend, völlig aus dem Häuschen und nass im Schritt, weil ein paar abstoßende Typen auf der Bühne sich bewegen wie Weiber.
Da sehe ich dich dicke Schlitten fahren, die du kaum einparken kannst, Karriereleitern klettern, Einkaufstüten schleppen und schwedische Möbel zusammenbauen.
Da weiß ich dich alleinerziehend und Zigarre rauchend, dir morgens bereits das Gesicht statt der Beine rasierend, weil du abends im Fitness-Studio mehr Gewichte stemmen musst, als Mr. Big.
Da entdecke ich dich in den Hallen der Macht im Hosenrock und mit Sakko, einen Blick wie Clint Eastwood, bereit, jeden zu töten, der höher hinaus will, als du gerade eben.
Da höre ich dich nachts heimlich aber verzweifelt in deinen Polster heulend, verloren, einsam, glück- und lieblos.

Gerne reiche ich dir ein Taschentuch, streiche sanft über dein Haar und flüstere dir liebevoll: “Du dumme Bitch! Wenn du deine Weiblichkeit neu definieren willst, dann hör endlich auf, Männer zu imitieren, denn das ist weder Emanzipation noch hat es etwas mit Gleichberechtigung zu tun – es ist bloß das Vakuum einer künstlich geschaffenen Identitätskrise, das du versucht bist mit implantiertem Nonsens zu füllen…”

Und dann erzähle ich dir von der weiblichen Sanftheit der alten Tage, von der Weichheit, der Hingabe. Und vor allem erzähle ich dir von der Mütterlichkeit. Mütterlichkeit nicht nur den Kindern, sondern auch und vor allem den Männern gegenüber. Mütterlichkeit ist dein größte Gabe. Mutter zu sein ist das Höchste, was eine Frau jemals erreichen kann. Mutter der Kinder, der Männer, Mutter der Welt. Du aber hast den Mann schwer verletzt, als du deine Mütterlichkeit der Welt gegenüber für eine Hand voll Silberlinge verkauft hast. Du hörst ihn wegen all der künstlichen Härte in dir gar nicht mal mehr weinen in seiner hoffnungslosen Verzweiflung auf der Suche nach einem Wesen, das er retten, lieben und beschützen darf. Eigentlich solltest du ihn trösten, ihn ehren und achten, den Mann, der dir die Welt zur Hälfte anbietet, denn das tut er mittlerweile, dieser neue Mann.
Ich erzähle dir von deiner nimmer satten Natur und deiner grenzenlosen Gier nach mehr. Ich weise dich auf deine permanente Unzufriedenheit, auf deine Unentschlossenheit hin.

Und wenn deine Tränen allmählich trocknen, dann singe ich dir ein Lied, lieblich, weich, verführerisch wie die Lilien unten am Fluss – ein Lied, wie es die Frauen der alten Tage immer gerne gesungen haben, wenn ihr Herz voll war für einen ganz bestimmten Mann, dessen Penis sie nicht rauben, sondern liebkosen wollten. Damals, als Frauen noch mütterlich, liebevoll, weich und hingebungsvoll waren. Damals, als sie ihren Männern noch gestatteten, Männer zu sein. Denn schließlich waren diese Frauen weise und schlau, diese Frauen der alten Zeit wollten richtige Männer lieben, um ihnen ein Lied zu singen, das klang, wie die Lilien unten am Fluss – lieblich, weich, verführerisch. Ein Lied, das diese Männer niemals mehr vergessen sollten, um ewig ihrer Frauen zu gedenken.

Du sagst, wir Frauen wären die besseren Menschen, aber ich gemahne dich: “Nein, wir sind nicht die besseren Menschen – wir sind bloß die weiblichen Menschen…”

~ parapoema © 2013

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